Rumo & Die Wunder im Dunkeln

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Inhalt: Rumo der Wolpertinger wurde wie jeder Welpe seiner Rasse nach der Geburt ausgesetzt und wächst in der Geborgenheit seiner Ziehfamilie heran. Gerade an dem Tag, als ihm sein erster Zahn wächst, wird er samt seiner Familie von Teufelszyklopen entführt und gefangengenommen. In der Gefangenschaft trifft er auf die Haifischmade Volzotan Smeik, der ihm das Sprechen beibringt und in ihm den Gefallen am Kampf und Helden weckt. Nach einigen Wochen und einem enormen Wachstumsschub Rumos, gelingt es den Gefangenen zu fliehen. Rumo macht sich auf den Weg nach Wolperting, der großen Stadt der Wolperting. Was ihn dort wohl erwartet?

Was ein Drache denkt: Mitte April fiel ich in ein tiefes, tiefes Leseloch, und kein Buch schien in der Lage zu sein, mich wieder daraus hervor zu zerren. Kein Buch, das ich begann, machte mir Spaß oder faszinierte mich mit seiner Geschichte. Völlig entnervt, hielt mir meine Freundin Rumo unter die Nase und meinte, ich solle das Buch gefälligst lesen und aufhören zu jammern.

Als Kind habe ich mehrere von Walter Moers’ Zamonien Romanen gelesen, aber leider ist davon nicht viel hängen geblieben. Ich denke mal, als Kind ist man fasziniert von der Geschichte, versteht aber wenig von den Anspielungen oder Parallelen zu unserer Realität. Wenn ich ganz ehrlich bin, will ich Parallelen zu unserer Gesellschaft gar nicht aufgezeigt bekommen – wenn es um Geschichten geht, bin ich ganz Kind: ich will eine tolles Buch mit fesselnder Geschichte! Da spricht wohl die Realitätsflucht aus mir.

Rumo ist etwas langsam ins Rollen gekommen, muss ich zugeben. Es gab so viele Aus-, und Abschweifungen, Geschichten in der Geschichte in der Geschichte und Details, dass einem der Kopf brummte. Aber als ein Fan von endlosen Beschreibungen machte mir das nicht so viel aus. Was ich nicht wusste, war, dass jedes Mal, wenn man einen kurzen oder auch mal langen Spaziergang abseits des roten Fadens machte, die Details und das Hintergrundwissen, das es dort gab, irgendwann wichtig werden würden. Nach und nach kamen alle losen Stränge zusammen und schlossen sich dem großen Strom an – mit einem fantastischen, Kinnladen-fallenden Ergebnis.

Walter Moers hat in diesem Werk wirklich alle Register der Schreibkunst gezogen. Seine Ideen gehen von amüsant über unerwartet und irrwitzig, bis hin zu vollkommen verrückt, wobei die Geschichte mit einer Selbstverständlichkeit erzählt wird, die einen den Kopf schütteln lässt. Aber mit einem Lächeln!

Wie bei so vielen Büchern war Rumo als Protagonist nicht meine Lieblingsfigur, obwohl ich den Wolpertinger auch sehr gern hatte! Meine Lieblinge tummeln sich – wie meistens – auf den Rängen der Nebencharaktere, bei welchen leider auch die meisten Todesfälle zu vermerken sind. Und auch bei diesem Buch floss die eine oder andere Träne.

Was mich oft bei Toden von Figuren ärgert oder irritiert, ist, dass das Ableben nichts zur Handlung beiträgt oder die Figur so wenig ausgearbeitet ist, dass es einem beinahe schon egal ist, ob der Charakter lebt oder nicht. Bei Rumo jedoch bekommt jede Figur früher oder später seine oder ihre eigene Hintergrundgeschichte, die die Charaktere realistischer macht, wobei sie unterschiedlicher nicht sein können. Da ist für jeden mindestens eine Person dabei, mit dem man sich ganz wunderbar identifizieren kann.

Ich hab’ es nicht so mit Liebesgeschichten, weshalb mich zunächst kurz störte, dass Rumo auf der Suche nach seiner großen Liebe war. Jedoch nur, bis ich Rala kennenlernte; eine meiner Lieblingsfiguren! Ihre Persönlichkeit und Vergangenheit ist gut ausgearbeitet, wobei mir ihre Charakter sehr gut gefällt: Sie ist nicht das kleine, zu errettende Mädchen in Not – sie errettet sich schon selbst, und Rumo gleich dazu.

Spannend erzählt und auf beinahe jeder Seite erwartet einen eine neue Überraschung. Sei es in der Form eines dunklen Bösewichts, einer seltsamen Kreatur, oder eines Plot-Twists, der ebenso genial wie verrückt ist. Neologismen zuhauf. Anspielungen wohin das Auge blickt. Detailreiche Zeichnungen und Bilder, die den Lesefluss angenehm unterbrechen und der Fantasie tatkräftig zur Seite stehen, damit man sich zumindest einige der Moer’schen Figuren vorstellen kann. Spielereien mit der Schrift: unterschiedliche Schriften für verschiedene körperlose Wesen und irgendwie passen sie genau zur jeweiligen Persönlichkeit. Und dann wäre da noch dieser eine Bösewicht, der beim Sprechen die Silben vertauscht – war das ein Spaß zu entziffern!

Lieblingsfiguren: Grinzold & Löwenzahn, Rala, Storr der Schnitter, Uschan DeLucca

Fazit: Etwas langatmig zu Beginn, doch sobald die Geschichte ins Rollen kommt, flott zu lesen, abwechslungsreich, witzig, voller toller neuer Ideen und vor allem spannend! Und diese Spannung wurde aufrechterhalten, was bei einem beinahe 700-Seiten-Buch schwierig ist. Mir hat es total gut gefallen und ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen!

Zitate

‘Löwenzahn?’ fragte Rumo. ‘Wie die Blume?’

‘Ich dachte eher an den Zahn eines Löwen. An etwas Scharfes, Gefährliches. Äh … es gibt eine Blume, die so heißt wie ich?’

‘Ja’

‘Ist es eine gefährliche Blume?’

‘Nein. Man kann sogar Salat daraus machen, glaube ich.’

‘Mist.’

Moers, Walter. Rumo & Die Wunder im Dunkeln. p316/317


Wenn flach komisch wäre, dann müßte ein Teller zum Lachen sein.

Moers, Walter. Rumo & Die Wunder im Dunkeln. p280


‘Wir tanzen zur Musik der Sterne!’

Moers, Walter. Rumo & Die Wunder im Dunkeln. p63

Details zum Buch:

  • Autor: Walter Moers
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Piper
  • Seiten: 691
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