Mädchenmeute

978-3-499-21758-6

Inhalt: Sommercamp und Survival im Wald! Keines der acht Mädchen ist sonderlich begeistert von den dreckigen Baracken, dem schrulligen Busfahrer und schon gar nicht vor der seltsam verrückten Campleiterin. Nach einem offensichtlichen Ausbruch von Wahnsinn der Aufseherin, hauen die Mädchen ab und wollen für den Rest der zwei Wochen in einen alten Bergwerkstunnel im Erzgebirge einziehen. Niemand würde sie vermissen. Freiheit, von der sie schon immer geträumt hatten!

Was ein Drache denkt: Man beschrieb mir das Buch als ‘Tschick von Herrendorff, aber mit einer Bande Mädchen‘. Da ich ein großer Fan von Tschick bin, wollte ich es versuchen. Ich stellte mich ein auf Road-Movie mit Liebesgeschichte und viel Gefluche.

Als Leser wird man ins Auto gesetzt und schon rauscht die Geschichte los. Ich muss gestehen, wenn ich in diesem Camp angekommen wäre, ich hätte mich genauso verhalten wie Mimiko: am nächsten Tag wieder nach Hause fahren. Es war total gruselig und horrormäßig beschrieben: dreckige Wände, keine Batterien für die Taschenlampen, ekliger Verwesungsgestank, schaurige Geräusche und eine verschwundene Gruppenleiterin samt Gepäck. Das Camp hat ein wohlig-beklemmendes Gefühl in mir ausgelöst und ich war beinahe froh, als die Mädchen sich schon bald auf den Weg zum Erzgebirge machten.

Es roch auch alles ganz frei. Nach freier Nacht, freiem Mond, freiem Gras und freiem Himmel.

Fuchs, Kirsten. Mädchenmeute. Klappentext

Und dann folgte eine Dummheit auf die nächste: Sie stehlen den Transporter eines Hundefängers samt Hunden, lassen Essen und Kleidung aus einem nahe gelegenen Dorf mitgehen und als über Nacht öfters Stapel von Hundefutterdosen an ihrem Lager auftauchen, hinterfragen sie das gar nicht! Irgendetwas geht in dem Wald vor, und sie ignorieren jegliche Zeichen, so schnell als möglich zu verschwinden. Lieber beschuldigen sie sich gegenseitig, mit der Außenwelt in Kontakt getreten zu sein und die Gruppe verraten zu haben. Da jede mehrere Dinge für sich behalten zu schien, sprang man als Leser schnell zu Schlussfolgerungen und misstraute nacheinander jedem einzelnen Mädchen. Ein wahres psychologisches Katz-und-Maus Spiel, das wunderbar ausgearbeitet war!

Auch als Bea, die barsche, herrische und rebellische Anführerin eine Zeitung mitgehen lässt, auf deren Titelseite in großen Lettern von 7 vermissten Mädchen berichtet wird, sehen sie nicht ein, dass sie nach Hause gehen sollten. Bis dahin hatte ich ehrlich gesagt gedacht, dass die Campleiterin doch alles inszeniert hat und aus einiger Entfernung beobachtete, wie sich die Mädchen allein in der Wildnis schlugen. Zum Glück gab es dann doch keine so billige Erklärung.

Tja, und in diesem Wald hat sich mein Road-Movie festgefahren. Meiner Meinung nach hätte man diesen Teil ruhig etwas kürzer halten können. Zwar erfährt man so einiges aus der Vergangenheit der Mädchen, lernt sie besser kennen und beginnt langsam, sich als Teil der Hunde-Mädchen-Meute zu fühlen, doch die Geschichte schien festzustecken. Da ging nichts wirklich weiter.

Dafür hat mir die Auflösung der Konflikte, bzw. aller während des Buches aufgetauchten Rätsel und Ungereimtheiten sehr gut gefallen. Wir hatten ein seit Jahren ungeklärtes Verbrechen, die traurige Hintergrundgeschichte der verrückten Campleiterin und die Abenteuerlust der Mädchenmeute, sowie einer Gruppe Jungs. All diese losen Handlungstränge haben sich zu einem perfekten Bild zusammengefügt, das mir ehrlich gesagt den Mund hat offen stehen lassen.

Das Buch steckt voller Plot-Twists, die einen wie eine Faust in den Magen schlagen und mehr und mehr dunkle Geheimnisse aufdecken, die Schatten auf die Gemeinschaft werfen. Langsam, langsam sieht man das große Ganze.

Auch wenn die meisten von einem unterhaltsamen, witzigem und gesellschaftlich interessantem Buch sprechen, so war es für mich doch eher eine Achterbahnfahrt, auf welcher Beklemmung, Misstrauen und Spannung um die Vorherrschaft kämpften. Witz war auch dabei, doch ich war viel zu angespannt, um die Pointen richtig würdigen zu können.

Lieblingsfiguren: Antonia, Rike und Cherokee

Fazit: Ein fesselndes Buch über Freundschaft, Survival und zu was die menschliche Psyche imstande ist. Spanned und gut geschrieben! Ein großes Lob an die Autorin. Sehr empfehlenswert für Jugendliche im richtigen Alter.

Zitate

Der Tod hat lange Ohren und einen kurzen Weg.

Fuchs, Kirsten. Mädchenmeute. p. 250


Uns liefen die Tage weg. Der Sommer würde zum Herbst werden. Wenn sie uns suchen, werden sie uns finden. Und dann wird alles anders sein.

Fuchs, Kirsten. Mädchenmeute. p. 248


Im Wald knackte es. Es war ein größeres Knacken, als ein Tierknacken. Ich fand, es war ein Menschenknacken. Ein zweibeiniges Knacken. Aber ich sagte lieber nichts.

Fuchs, Kirsten. Mädchenmeute. p.68

Details zum Buch:

  • Autorin: Kirsten Fuchs
  • Alter: ab 14
  • Verlag: Rowohlt Rotfuchs
  • Seiten: 462
  • Umschlag: Taschenbuch
  • ISBN: 978-3-499-21758-6
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