Die Auferstehung der Toten

978-3-499-22831-5

So, jetzt hat es neben Stephen King doch noch zu ein paar anderen Büchern gereicht. Alles, was ich brauchte, war eine lange Zugreise und King zu Hause zu lassen. Da kam mir Wolf Haas gerade recht; ein dünnes Büchlein, das man sich bequem in die Tasche stecken kann. Meine Mutter hat bereits alle seiner Fälle gelesen und mir so manche Szene aus den Büchern erzählt; da wurde ich natürlich neugierig.

Inhalt: In Zell am See wird ein amerikanisches Ehepaar erfroren in einem Schilift entdeckt. Keiner der Verdächtigen redet und nachgewiesen kann niemandem etwas werden und sogar die Polizei hat den Fall schon längst aufgegeben. Klar, in dieser Situation kann eigentlich nur Simon Brenner helfen, der mit seiner Langsam- und Bedächtigkeit perfekt nach Zell passt, denn dort vergeht die Zeit auch etwas langsamer. Bei der Polizei gekündigt, begibt er sich als Privatdetektiv nach Zell, um endlich Licht in die Sache zu bringen.

Was ein Drache denkt: Wo fängt man bei Wolf Haas an? Die Geschichte startet mit dem Mord, wie bei einem normalen Krimi. Allerdings erfahren wir zunächst ausführlichst Details aus dem Leben des Lift Lois, der die beiden erfrorenen Amerikaner findet. Details, die mit dem Fall nichts zu tun haben und auch sonst nicht wirklich interessant sind. Dass das einfach Wolf Haas’ Stil ist, habe ich ziemlich schnell gelernt.

Abschweifungen in komplett andere Themenbereiche und Hintergründe, die eigentlich nichts mit dem Fall zu tun haben sind die Norm. Es plätschert so dahin und man liest gemütlich vor sich hin, fragt sich vielleicht, wann der Handlungsfaden wieder vollständig aufgenommen wird, da stolpert man in einem Nebensatz über eine unerwartete Pointe, Wendung oder die Fortführung der Geschichte! Ich sage stolpern, da man es oft zunächst überliest, und dann erst einmal stuzt. Genau lesen und ja nichts auslassen oder man verpasst wichtige Hinweise oder Twists in der Story!

Sprachlich ist Wolf Haas sehr originell unterwegs. Er hat einen sehr, sehr eigenen Stil: Die Satzstellung wirkt oft etwas seltsam. Verben und Adjektive fehlen manchmal im Satz und doch weiß man, dass das so gewollt ist und er nicht etwa das Schreiben verlernt hätte.

Dem Brenner seine Methode ist es natürlich gewesen, daß er sich den ganzen Kleinigkeiten gewidmet hat, also, daß er da keine Unterschiede gemacht hat, quasi wichtig oder un-.

Der Brenner macht nicht wirklich viel. Er hört viel zu, macht oft in seinen Augen witzige Anmerkungen, hat Migräneanfälle und spaziert durch Zell. Mir kommt vor, der Fall löst sich beinahe ohne ihn, aber natürlich hat er zum Schluss den richtigen Riecher und kann den Täter überführen. Der Brenner ist halt da. Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, er sei unwichtig, der Brenner ist sogar sehr wichtig, aber er macht nicht so viel Detektivarbeit, wie vielleicht in anderen Krimis der Fall ist. Der Brenner hat was von Columbo.

Es geht sehr gemütlich zu und ich lehne mich vielleicht zu weit aus dem Fenster, mit meiner Aussage, dass der Fall selbst nicht das Spannendste ist. Der rückt bei mir beinahe in den Hintergrund. Es ist die Sprache, die ewigen Abschweifungen, bei denen man nur darauf wartet, dass er eine Bombe platzen lässt. ‘Worauf will er hinaus?’ fragt man sich.

Und natürlich der Humor. Schwarzer Humor. Wolf Haas schreibt makaber und mit sehr viel schwarzem Humor, bei dem man nicht immer weiß, ob man nun lachen darf – moralisch gesehen – oder besser geschwiegen hätte. Dabei erzählt Wolf Haas mit einer Ruhe, als erzählte er was er mittags gegessen hat.

Lieblingsfiguren: Der Brenner

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer unblutiger Krimi mit viel Ruhe und schwarzem Humor. Wer mit der Sprache und dem Stil klarkommt, der sollte sich einen Wolf Haas gönnen. Spannend und witzig!

Details zum Buch:

  • Autor: Wolf Haas
  • Verlag: Rowohlt
  • Seiten: 152
  • Umschlag: Taschenbuch
  • ISBN: 978-3-499-22831-5
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