Funklerwald

9783789148071

Inhalt: Das Luchsmädchen Lumi ist keine begnadete Jägerin wie ihre Tante Kette. Sie kann keine Fische fangen oder Rehe aufspüren, doch dafür hört sie Bäume und Sträucher wachsen und miteinander flüstern. Durch Zufall trifft sie den Waschbären Rus und seine Familie, die Zuflucht im Funklerwald suchen, da ein Sturm den ihren zerstört hat. Doch die Tiere des Funklerwaldes sind den Waschbären feindlich gesinnt und wollen die Familie vertreiben. Rus und Lumi müssen schnell sein und einen Weg finden, damit Rus im Funklerwald bleiben kann. Und dieser Weg führt sie in gefährliche Gebiete …

Was ein Drache denkt: Das Cover ist wirklich wunderschön und hat mich sofort angesprochen. Wald, Tiere und Freundschaft waren die Begriffe, die in meinem Kopf den Like-Button gedrückt haben. Die tollen Zeichnungen bleiben jedoch nicht nur auf dem Cover kleben, sondern fließen ins Buch und begleiten den Leser durch die Geschichte. Verena Körting, die Illustratorin lies beinahe keine Seite aus; mindestens ein Blatt oder Glühwürmchen schleicht sich immer zwischen den Text.

So toll die Illustrationen auch sind, die Geschichte setzt noch einmal eins drauf. Selten habe ich ein so tolles Kinderbuch gelesen! Die Botschaft, die dahinter steckt, ist aktueller denn je. Eine Geschichte voller Toleranz, Mut und Freundschaft.

Du kannst alles schaffen, wenn ein Freund dir die Pfote reicht!

Stefanie Taschinski erzählt mit so viel Einfühlsamkeit und dennoch so offen diese Geschichte übers Anderssein und Akzeptanz, dass man nur staunen kann. Lumi ist anders als ihre Tante: Sie ist keine gute Jägerin und lässt sich von Bäumen und Gräsern ablenken. Als sie den Waschbären Rus zum ersten Mal sieht, fühlt sie eine Mischung aus Neugier und Furcht vor diesem ihr unbekannten Tier, denn Waschbären gibt es keine im Funklerwald. Bevor Lumi jedoch die Möglichkeit hat, sich mit Rus anzufreunden, wettern die Erwachsenen bereits, dass die ‘Kratzer’, wie sie Fremde nennen, ihnen die Höhlen und Futterreserven wegnehmen werden.

Verunsichert durch die harten Worte der Erwachsenen, meiden die Jungtiere die Neuankömmlinge, bis das Fuchsmädchen Rissa Streit mit Rus sucht, woraufhin der Tierrat beschließt, dass die Waschbären gehen müssen. Dies ist nicht ihre Heimat und sie sollen verschwinden. Allen voran ist Schnauz, der Anführer der Füchse, der klischetierterweise ein eingerissenes Ohr hat.

An einer Stelle, die ich leider nicht mehr finde, wundert sich Lumi, warum die Tiere des Waldes die schwarze Maske der Waschbären abartig und fremd finden, aber die des Dachses nicht. Und genau das ist der Punkt. Eine Nonne kann von Kopf bis Fuß bedeckt sein, aber ein Mädchen mit Hijab ist ein Skandal.

Während man das Buch liest, kann man das Gesagte eins zu eins in unsere Gesellschaft übertragen. Flüchtlinge oder auch nur Menschen mit anderer Hautfarbe werden beschuldigt, uns unsere Wohnungen und unsere Jobs wegzunehmen, was völliger Blödsinn ist, doch das ist eine andere Diskussion.

Im Funklerwald hat jedes Tier einen Baum, das wie ein Wappen zu ihm gehört. Die Luchse gehören zum Ahorn, die Dachse zur Kiefer und die Füchse zur Buche. Einen Walnussbaum, wie er den Waschbären gehört, gibt es im Funklerwald aber nicht und so folgen Lumi und Rus der Legende des Wandelbaumes. Das war der erste Baum, aus dem alle anderen Bäume entstanden sind. Am Anbeginn der Zeit hat jedes Tier im Funklerwald sein Zeichen in die Rinde des Wandelbaumes gezeichnet. In der Baumkrone wächst ein Ast für jedes Tier, das sein Zeichen in die Rinde geritzt hat. Botaniker raufen sich die Haare, während Philosophen das Herz aufgeht. Mir gefällt diese Idee sehr gut und der Baum hat definitiv etwas magisches an sich.

Wenn Rus es nun schaffen könnte, das Zeichen der Waschbären in den Baum zu ritzen, könnte seine Familie im Funklerwald bleiben. Gemeinsam mit Lumi macht er sich auf den Weg. Unterwegs treffen sie die lispelnde Fledermaus Mica, die sie auf ihrer letzten und gefährlichsten Etappe der Reise begleitet.

Was mich ein wenig gestört hat, war, dass wieder die Füchse und Wölfe die Bösen waren und nicht vielleicht mal die Spechte. Dafür punktet Taschinski bei mir mit der Wahl für die eher ungewöhnlichen Tiere in den Hauptrollen: Luchs, Waschbär und Fledermaus.

Lieblingsfiguren: Mica, Lumi

Details zum Buch:

  • Autorin: Stephanie Taschinski
  • Illustratorin: Verena Körting
  • Alter: Ab 8-9 Jahren
  • Seiten: 256
  • Verlag: Oetinger
  • Erscheinungsdatum: Januar 2015
  • ISBN: 978-3-7891-4807-1
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