Sophie im Narrenreich

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Inhalt: Sophie ist gerade zwölf geworden, als sie mitten in der Nacht einen seltsamen Kerl in ihrem Kleiderschrank entdeckt. Sophie ist begeistert, denn Theobald ist ein echter Narr! Die Narren leben von Glücksmomenten, die sie den Menschen bescheren, doch nun alles Glück ist in Gefahr. Der schwarze Zaubernarr Kiéron will sowohl das Narrenreich als auch die Welt der Menschen in ewige Dunkelheit stürzen. Kann ihn Sophie aufhalten und somit die Prophezeihung des Narrenliedes wahrmachen?

Was ein Drache denkt: Das Cover hat mir sofort sehr gut gefallen, und auch der Klappentext schien vielversprechend zu sein. Ich hatte definitiv noch nichts über Narren gelesen und mir ein spannendes Buch erhofft. So ganz überzeugt hat mich die Geschichte dann aufgrund mehrerer Punkte nicht. Aber der Reihe nach.

An Sophies 12. Geburtstag hört sie ein Rumpeln aus dem Kleiderschrank und als sie ihn öffnet, purzelt ein Mann? Junge? Kerl? heraus. Die Autorin ist etwas zurückhaltend, was die Beschreibung von Narren angeht, sie verrät meist nur ein paar Details, um die einzelnen Charaktere auseinanderhalten zu können. Da ich in Fanfictions das auch oft so mache, nehme ich einfach mal an, dass es Absicht war, damit der Leser seiner Phantasie freien Lauf lassen kann, was die Figuren angeht. Der sich als Theobald vorstellende Narr ist überrascht und besorgt, dass Sophie ihn sehen kann, da Narren für Menschen unsichtbar sind. Theobald spürt, dass Sophie etwas besonderes ist und nimmt sie mit ins Narrenreich, welches neben der Menschenwelt im Verborgenen existiert.

Kaum haben wir das Narrenreich betreten, werden wir von einer wahren Informationsflut überrollt. Mir kommt das Narrenreich zu vollgestopft vor, als ob man magische Elemente in jeden Satz hineinzwingen wollte. Silberfarn, hinterschränkische Zubringerwege, närrische Nebelschwaden, das Zeitlose Gebirge, Kicherpflanzenstaub, närrischer Nachttau. Ich bin ein großer Fan von magischen Elementen in Fantasy-Büchern und kann eigentlich nie genug Realitätsflucht haben, aber das Narrenreich war mir zu viel – zu vollgestopft. Es ist schwer, über Narren zu schreiben und die sofortige Assoziation mit Zirkusclowns in den Köpfen der Leser zu verhindern oder wenigstens zu vertreiben. Ich finde, im Laufe des Buches ist das eigentlich sehr gut gelungen.

Leider haben mich auch die Bösewichte, so gruselig sie waren, nicht ganz überzeugt: Wenn man Tolkiens Nazgûl und Rowlings Dementoren kombiniert, erhält man die Schwarznarren, die so schrille Schreie ausstoßen, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Je näher sie kommen, desto trauriger und mutloser wird man. Ich fand sie leider nicht originell.

Nach diesem ersten Besuch im Narrenreich will Sophie natürlich wieder dorthin zurück, doch Theobald lässt sich lange nicht sehen und Sophie wird ungeduldig. Sie streitet sich oft mit ihrer Mutter, die ihr nicht verraten will, wer ihr Vater ist. Sophie war nicht meine Lieblingsfigur: sie ist ungeduldig und oft unhöflich, manchmal direkt borstig und sie fiel mir zu viel auf die Nerven. Vor allem, wenn andere Figuren sie als gutmütig, großherzig und freundlich bezeichnen, fragt man sich, ob man schon die richtige Geschichte liest.

Es gab jedoch nicht nur Negatives. Im Laufe des Buches hatte ich bereits mehrere Theorien bezüglich Sophies Vater aufgestellt und eine kitschige Kennenlern-Szene erwartet. Ich war sehr überrascht, – im positiven Sinne – wie die Autorin die Vater-Frage schlussendlich aufgelöst hat.

Auch das Konzept der Geschichte als solche hat mir sehr gut gefallen. Die Idee, dass Narren für menschliche Glücksmomente verantwortlich seien und überall um uns herumwuseln, um uns mit allen Mitteln glücklich zu machen, finde ich toll. Jedes Mal, wenn ein Narr einem von uns Menschen Glück beschert, steigt eine leuchtend weiße Kugel (ein Glücksmoment) aus uns auf und wandert ins Narrenreich, wo sie gesammelt und … verspeist werden. Äh … ja.

Sophie macht sich mit dem Buch der Narren, welches ich absolut LIEBE, der stummen Narrenelfe Eiche und dem Narren Rolander auf den Weg durch das verwüstete Narrenreich, um Kiéron herauszufordern und im Kampf zu besiegen, wie das Narrenlied prophezeit. Die Reise erinnert an an typisches Fantasyepos, denn wir haben Sumpf, Wüste, Gebirge, Meer und natürlich liegt die feindliche Burg am anderen Ende des Narrenreiches.

Lieblingsfiguren: Das Buch der Narren

Fazit: Die Idee gefällt mir wirklich gut. Ich finde sie sehr kreativ und die Geschichte selber ist gut aufgebaut. Leider hat mir weder Sophie, noch Rolander oder der Bösewicht und seine Armee von in schwarz gehüllten Anhänger gefallen. Aber auch wenn mir die Figuren nicht so zugesagt haben, wollte ich das Buch nicht einfach so abbrechen. Ich wollte wissen, wie es ausgeht.

Details zum Buch:

  • Autorin: Verena Petratsch
  • Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
  • Erscheinungsdatum: 31.01.2017
  • Verlag: cbj bei Randomhouse
  • Seiten: 528
  • Umschlag: Gebunden
  • ISBN: 978-3-407-82214-7

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