Das verschwundene Buch

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Inhalt: Seit Wochen freuen sich die Geschwister Alba und Diego auf ‘Die schönste Geschichte aller Zeiten’, die nun endlich in die Buchhandlungen kommen soll. Doch dann verschwinden alle Buchstaben und Bilder aus dem Buch! Die gesamte Buchwelt ist in Gefahr und plötzlich passieren in den klassischen Geschichten seltsame Dinge. Kätpt’n Hook bekämpft das Krokodil nun mit einer Laserpistole. Mit Magie schafft es Tante Tea, Alba und Diego in ‘Peter Pan’ zu schmugglen, um den Lauf der Geschichte wieder gerade zu rücken.

Was ein Drache denkt: Eine Buchhandelskollegin bat mich das Buch zu lesen – wie kann ich da schon nein sagen? – sie bräuchte eine zweite Meinung was die Altersempfehlung betrifft. Laut Verlag gehört das Buch nämlich zu den 12-jährigen ins Regal. Die übermäßig große Schrift und Bebilderung erzählen jedoch eine ganz andere Geschichte. Lösung für das Problem? Das Buch muss gelesen werden.

Das Cover hat mich gleich angesprochen; es hat einen sehr bibliophilen Touch, der zum Lesen und Versinken einlädt. Zu Beginn werden die wichtigsten Figuren mit einer kleinen Zeichnung vorgestellt und bereits da störte mich etwas. Erst später habe ich gemerkt, dass die Illustrationen und vor allem die Figuren sehr nach Disney aussahen.

Es war leicht, in die Geschichte einzutauchen und mit Alba und Diego in der Buchhandlung Abracadabra zu stöbern. Ich freute mich schon richtig auf die schönste Geschichte aller Zeiten und was sich der Autor da wohl ausgedacht haben mag. Immerhin sind die Geschmäcker so verschieden. Das Konzept der schönsten Geschichte und die grundlegende Idee des Buches haben mir gut gefallen, aber ich war mit der Umsetzung nicht wirklich glücklich. Bis zu dem Punkt hin, an dem die Kinder nach Nimmerland kommen und James Matthew Barrie’s Geschichte auf den Kopf stellen, war ich vom Buch gefesselt und voller Erwartungen. Leider habe ich den Maßstab wohl zu hoch angesetzt. Ich hatte mir erwartet, dass die Kinder ‘Peter Pan’ ordentlich durcheinander bringen und der Geschichte seltsame Wendungen und hoffnungslose Verdreher geben. Doch außer der Laserpistole und einem Tintenmonster hat sich nicht viel verändert, was ich schade fand. Es war einfach ‘Peter Pan’ mit zwei zusätzlichen verlorenen Jungs/Mädchen.

Man sollte ‘Peter Pan’ auf jeden Fall gelesen oder sich zumindest den Disney-Film angesehen haben. Der Wiedererkennungsgrad ist sehr hoch und das freut den Leser doch, wenn man zufrieden nicken und sagen kann: ‘Ja, da kenne ich mich aus’. In dieser Hinsicht hat sich der Autor viel Platz für weitere Bände geschaffen. Alba und Diego haben ja nur ‘Peter Pan’ gerettet. Anscheinend sollen es 12 Bände werden. Im Mai 2017 erscheint ‘Pinocchio’ als fünfter Band auf Spanisch.

Am meisten gestört hat mich der technik- und sportbesessene Bösewicht, der für mich leider nicht überzeugend war. Mr. Zargo mit dem großen Z-Logo auf der Brust hatte zu viel Ähnlichkeit mit einem Sportacus (‘Lazy Town’), der auf die falsche Seite des Gesetzes gerutscht ist. Und wenn der Vergleich einmal da ist, kriegt man ihn nicht mehr aus dem Kopf. Mit seiner Gaston-esken Persönlichkeit war der Bösewicht übertrieben stereotypisch und flach.

Stimmt nicht, am meisten gestört hat mich dieser Absatz:

‘Der Name der Buchhandlung stand in großen Buchstaben über der Tür: ABRAKADABRA. Es war ein magischer Name und – man konnte es nicht anders sagen – ein magischer Ort. Ganz anders als die Buchhandlungen in den großen Einkaufszentren, in die Alba und Diego manchmal mit ihren Eltern gingen. Allein schon, weil die Cover von fast allen Büchern zu sehen waren, die in schwarzen Regalen standen und bunte Krokodile, tanzende Gaukler und hochmütige Prinzessinnen zeigten.’

Das sieht zwar hübsch aus, aber bei einer Buchhandlung von der Größe von Abrakadabra kommt das auf nicht mehr als 200 Titel. Wovon lebt Tante Tea?

Lieblingsfiguren: Alba

Fazit: ‘Peter Pan’ rewritten. Das Fundament für eine spannende Abenteuergeschichte war da, aber mit dem weiterbauen hat es dann nicht so gut geklappt. Der Bösewicht war platt und die Buchhandlung falsch aufgebaut. Der Beginn der Geschichte war magisch und faszinierend; ich wollte unbedingt weiterlesen. Leider wurde das Buch in meinen Augen immer schlechter und ich denke nicht, dass ich einen Folgeband lesen werde.

Details zum Buch:

  • Autor: Edward Berry (Pseudonym) Dahinter stehen die beiden Autoren Pierdoménico Baccalario und Eduardo Jáuregui.
  • Illustrator: Stefano Turconi
  • Titel der Originalfassung: El libro perdido
  • Übersetzerin: Anja Rüdiger
  • Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
  • Seiten: 160
  • Verlag: Sanssouci
  • Umschlag: Gebunden
  • Erscheinungsdatum: 17.02.2017
  • ISBN: 978-3-9905-6027-3

 

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