Der Wald der träumenden Geschichten

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Vielen lieben Dank, Herr Jobst von Fischer für das tolle Leseexemplar!

Inhalt: Seit jeher haben Der Wald und Die Welt friedlich nebeneinander existiert. Doch dann beginnen in Der Welt Menschen zu Verschwinden. Sie hören einfach auf zu sein. Der Waisenjunge Max Mulligan macht sich auf in den Wald des Anfangs, um seine wahren Eltern zu finden. Nur wenn er erfährt, wer er wirklich ist, kann er das Verschwinden aufhalten.

Was ein Drache denkt: Seit mehr als einer Woche schiebe ich die Rezension dieses Buches vor mir her. Grund dafür ist nicht, dass es mir absolut nicht gefallen hätte. Es ist vielmehr so, dass ich immer noch nicht genau weiß, was ich von dem Buch halten soll. Gefällt es mir? Gefällt es mir nicht? Habe ich es verstanden? Bin ich mir sicher, dass ich weiß, worum es eigentlich geht? Überanalysiere ich die Geschichte? Je länger ich über das Buch nachdenke und je mehr Details ich vergesse, desto klarer scheint sich die eigentliche Handlung aus dem Nebel abzuheben. Doch, tut sie das wirklich?

Max wächst bei seinen Pflegeeltern Alice und Forbes auf, doch er fühlt sich nie richtig zu Hause. Er verkriecht sich in seine Geschichtenbücher und stellt sich vor, wie seine wahren Eltern, seine Immerwährenden Eltern, wie er sie nennt, ihn in einem Heißluftballon mitnehmen. Stellt sich vor, wie sie ihn anlächeln, mit ihm spielen und ihn am Abend zudecken. Als Leser musste ich mich beherrschen, Max nicht anzuschreien, Alice und Forbes mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die beiden kümmern sich nämlich rührend um ihren Adoptivsohn und dessen abweisende Haltung bricht einem das Herz.

Als Menschen in der Welt anfangen zu Verschwinden, wird eine eigene wissenschaftliche Abeilung gegründet, die der Sache auf den Grund gehen soll. Schließlich bricht Die Zensur über Die Welt herein, denn Das Verschwinden wird auf Fantasie, Träume und Geschichten zurückgeführt. Die Welt wird radikal gesäubert: Bücherverbrennungen, Indoktrinierungen, Kulturareale werden zu Sperrzonen. Im weitesten Sinne kann man von einem Kampf zwischen Fantasie und Wissenschaft sprechen. Triumphierend dachte ich, ich hätte endlich den Kern des Buches erreicht, doch Fehlanzeige. Der rote Faden meandert so ausladend durch die Geschichte, dass man Schwierigkeiten hat, ihn nicht zu verlieren.

Max hält nichts in dieser dystopischen Welt und er macht sich auf den Weg in den Wald, wo er seine Immerwährenden Eltern vermutet. Diese sind die treibende Kraft hinter all seinen Entscheidungen. Zu Beginn kam mir Max einfach schüchtern und verträumt vor, dann änderte sich das zu egoistisch und weinerlich. Warum verlassen ihn alle, die er gern hat? Wenn er einmal nett zu anderen wäre! Im Wald angekommen, muss Max mehreren Gefahren trotzen und einige Szenen sind doch sehr brutal. Da kommt wir doch gleich wieder das Cover in den Sinn, bei welchem mir der gruselige Baum zuerst gar nicht aufgefallen ist!

Die Figuren sind sehr eigen und geheimnisvoll. Sie scheinen so einfach gestrickt und belanglos, doch hinter jeder steht eine unerzählte Geschichte, die im Laufe des Buches nur hie und da angekratzt wird. Der junge Wissenschaflter Boris, der das Verschwinden mit allen Mitteln bekämpfen oder einfach nur verstehen will. Welche Rolle Mrs. Jeffers spielt, ist nicht ganz klar, aber sie gibt unserem Protagonisten immer wieder einen Schubs in die richtige Richtung. Mag ich die Figuren? ‘Ich weiß es nicht’ kommt meinem Empfinden wohl am Nächsten.

Die bildlichen, philisophischen und ausführlichen Sprachbilder haben mir sehr gut gefallen. Alles in allem fand ich die Sprache am Schönsten.

‘Der Wald des Anfangs ist größer, als noch die begabtesten Träumer ermessen könnten, dunkler, als sie jemals fürchten würden, und reicher an Wundern, als sie je ersehnen könnten.’

Viele Beschreibungen und bis ins kleinste Detail durchgedachte Gedanken, regen zum Nachdenken und Philosophieren an. Überhaupt würde ich das Buch als eine große Metapher für … das Leben? Träume? das Sein? beschreiben. Oder den Versuch philosophische Fragen zu beantworten:

Wer bin ich?

Woher komme ich?

Was soll ich tun?

Fazit: Im Heißluftballon fliegen wir durch diese seltsame aber philosophische Geschichte. Figuren, von denen wir nicht wissen, ob wir sie mögen, begleiten uns auf dieser Reise. Ich hatte gehofft, durch das Schreiben dieser Rezension endlich Klarheit zu bekommen, aber die Geschichte bleibt nach wie vor mysteriös. Ich kann nicht sagen, ob mir das Buch gefallen hat. Vielleicht habe ich es zu aufmerksam gelesen und meinte hinter jedem Gedanken fünf weitere erkannt zu haben. Die vom Verlag angegebene Altersempfehlung von 10 Jahren finde ich zu niedrig angesetzt. Der 500-Seiten-Schmöker ist für Leseratten durchaus zu bewältigen, doch die komplexe und teilweise brutale Handlung erzählen eine andere Geschichte. Das Buch war definitv mal was anderes! Bitte lest es und lasst mich wissen, was ihr davon haltet!

Details zum Buch:

  • Autor: Malcolm McNeill
  • Titel der Originalfassung: The Beginning Woods
  • Übersetzerin: Sibylle Schmidt
  • Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
  • Seitenanzahl: 533
  • Verlag: Fischer Verlage
  • Umschlag: Gebunden
  • Erscheinungsdatum: 21.08.2014
  • ISBN: 978-3-596-85670-1

Andere Stimmen zum Buch:

Leselurch

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