Der Fluch der falschen Frage

Der Fluch der falschen Frage von Lemony Snicket

Inhalt: Lemony Snicket hat soeben seine Ausbildung zum Detektiv abgeschlossen und beginnt nun sein Praktikum unter Mentorin Theodora S. Markson, einer der schlechtesten Detektive, die die Welt gesehen hat. Eine Statue wurde in der ominösen Stadt Schwarz-aus-dem-Meer gestohlen. Je weiter Lemony Snicket in seinen Ermittlungen vordringt, desto mehr muss er sich eingestehen, dass er immer die falschen Fragen stellt.

‘Meine rätselhaften Lehrjahre’ ist eine vierteilige autobiographische Reihe, die uns in Lemony Snickets Kindheit mitnimmt. Oder führt uns der Autor an der Nase herum? Es wäre nicht das erste mal.

Was ein Drache denkt: Man hat mir diese Reihe schon vor längerer Zeit ans Herz gelegt, doch bisher bin ich nicht dazu gekommen sie zu lesen. Auch diesmal war es eher ein Zufallstreffer in der Bibliothek. Ein Zufallstreffer, den ich nicht bereue. Als Kind habe ich die gesamte ‘Reihe der betrüblichen Ereignisse’ gelesen. Die Geschichten waren so wunderbar seltsam und skurril.

‘Der Fluch der falschen Frage’ hat mich gleich in seinen Bann gezogen: Der Schreibstil und der langsam aufbauende Fall haben nostalgische Einflüsse auf mich ausgeübt und ich wurde in meine Kindheit zurückkatapultiert. Die Atmosphäre erinnert einfach stark an ‘Fünf Freunde’, ‘Schwarze Sieben’ oder ‘TKKG’. Keine Handys, keine Computer; ich liebe all diese kreativen Möglichkeiten, Botschaften zu verschicken und analog zu verschlüsseln. Und Lemony Snicket ist sehr kreativ!

Gleich zu Beginn möchte ich auf die Illustrationen hinweisen, die sich zu Beginn eines jeden Kapitels befinden und immer wieder zwischen den Seiten auftauchen. Ganz überzeugt bin ich vom Zeichenstil nicht, dieses Blau-Schwarz will sich mit mir nicht so recht anfreunden. Gleichzeitig sind die Illustrationen eine tolle Ergänzung zur Geschichte.

Lemony Snicket ist fast dreizehn und hat seine Detektivausbildung abgeschlossen. Von den 52 Mentoren hat er sich eine der am schlechtesten abgeschnittenen ausgesucht. Warum Theodora S. Markson? Ist das überhaupt die richtige Frage? Wofür steht das S? Sein erster offizieller Fall als Praktikant führt ihn nach Schwarz-aus-dem-Meer, wo Theodora eine verschwundene Statue ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben sollen. Theodora wird so dargestellt, wie Erwachsene in Kinderbüchern – Krimis vor allem – meiner Meinung oft beschrieben werden: besserwisserisch, spöttisch, launisch, sie glauben Kindern kein Wort und können alles besser. Ihr Wort ist Gesetz.

Standpauken halten muss etwas Herrliches sein, sonst wäre es Kindern auch manchmal erlaubt.

Theodora mit ihrer wilden Haarmähne ist nicht die einzige skurrile Figur, die das Buch zu bieten hat. Wer schon einmal Lemony Snicket gelesen hat, der weiß, dass verwirrte, verschrobene, seltsame und clevere Charaktere keine Seltenheit sind. Jeder ist geheimnisvoll und der ein wenig verschachtelte Schreibstil trägt noch dazu bei, dass man jeder Figur zu Anfang misstraut, dann vertraut, dann wieder misstraut. So zum Beispiel diese mysteriöse Verbündete, von der Lemony Snicket so oft spricht und sich wünscht sie wäre an seiner Seite. Wer ist sie? Woher kommt sie und was hat sie mit der Sache zu tun?

Der Besuch in der Bibliothek war aufbauend gewesen, ein Wort, das eine gewisse Verbündete von mir gebrauchte, um Dinge zu beschreiben, die den Kopf klarer und das Herz froher machen.

Während Theodora im Dunkeln tappt – meist sprichwörtlich, da sie Nacht-und-Nebel-Aktionen liebt – verschafft sich Snicket Verbündete, recherchiert und zieht die richtigen Schlussfolgerungen. Nur das mit den richtigen Fragen stellen will noch nicht so gut klappen. Hinweise über Hinweise, manche zu gebrauchen, manche da, um den Leser auf den Holzweg zu führen. Die Geschichte entwickelt sich langsam und gemählich, aber keineswegs langweilig. Es bleibt auch ruhig. Keine Action oder wilde Verfolgungsjagden, dafür umso mehr unerwartete Wendungen in den Ermittlungen. Oder kleine unheimliche Momente.

‘Kennt ihr das, wenn jemand euch sagt, unter seinem Bett ist ein Ungeheuer?’, fragte ich. ‘Und ihr wisst genau, dass da nichts sein kann, aber ihr müsst trotzdem unterm Bett nachschauen? […]’

Am besten hat mir wahrscheinlich der Schreibstil gefallen, weil er mich so an diese Krimis erinnert, die ich als Kind so gerne gelesen habe. Die Sprache bleibt meist einfach, auch wenn die Sätze teilweise lang und verschachtelt sind. Lemony Snicket hat eine gute Ausbildung genossen und liest selbst wahnsinnig gerne. Sein Wortschatz ist daher etwas gehoben.

Lieblingsfiguren: Lemony Snicket

Fazit: ‘Der Fluch der falschen Frage’ war für mich definitv eine nostalgische Lektüre. Die Sprache, das Fehlen der modernen Technologie, das Katz-und-Maus-Spiel des Diebes, das Ermitteln, die bedächtige Entwicklung des Falles und all die kleinen Details, die immer noch keinen Sinn machen. Das Buch hat mich mit seinen schrägen, seltsam höflichen Figuren in den Bann geschlagen und ich freue mich, die Folgebände zu lesen, denn dieses Ende war keines. Mehr offene Fragen als zu Beginn unseres Falles.

Zitate:

Aber die Welt entsprach nicht der Vorstellung, die ich mir von ihr machte, und so stand ich stattdessen neben einer ungekämmten Fremden und sah hinaus auf ein Meer ohne Wasser und einen Wald ohne Bäume.


Die Bibliothek bestand aus einem einzigen großen Saal mit langen, hohen Metallregalen, und es herrschte diese vollkommene Stille, mit der eine Bibliothek alle Antwortsuchenden empfängt.


Das war natürlich Unsinn, aber warum darf man nicht ab und zu aus dem Fenster starren und Unsinn denken, solange es der eigene Unsinn ist?

Details zum Buch:

  • Autor: Lemony Snicket
  • Illustrator: Seth
  • Titel der Originalfassung: Who Could That Be at This Hour? All the Wrong Questions I
  • Übersetzerin: Sabine Roth
  • Altersempfehlung: Ab 9 Jahren
  • Verlag: Goldmann
  • Seitenanzahl: 218
  • Umschlag: Gebunden
  • Erscheinungsdatum: 09.09.2013
  • ISBN: 978-3-442-31274-0
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