Glaskinder

Glaskinder von Kristina Ohlsson

Inhalt: Billie mag das neue Haus in Åhus nicht, in das sie mit ihrer Mutter zieht. Die Familie, die vor ihnen im Haus gewohnt hat, scheint überstürzt ausgezogen zu sein und bald passieren unheimliche Dinge. Billie beginnt nachzuforschen und erhält bald tatkräftige Unterstützung vom Nachbarsjungen Aladdin. Gemeinsam decken sie Geheimnis um Geheimnis des alten Hauses auf …

Was ein Drache denkt: Es ist schon länger her, dass ich ein Buch so schnell in einemdurch gelesen habe. Eigentlich wollte ich nur ein paar Seiten lesen, während meine Freundin noch schlief, damit ich sie mit meinem Herumgerenne nicht wecke. Ein paar Seiten wurden zum ganzen Buch, das ich verschlungen habe! Frühstück musste warten; ich kam einfach nicht mehr weg, es war so spannend!

An dieser Stelle kommt gleich mein Geständnis. Ich hatte die gebundene Ausgabe des Buches bereits vor  drei Jahren in der Hand. Der Klappentext war okay, aber das Cover schaute nach einem typischen schwedischen Krimi/Thriller aus, also ließ ich es bleiben.

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Das Taschenbuchcover hingegen ist herrlich gruselig und passt wunderbar zur Geschichte. Vor allem das Kind, das mehrere hohl aussehende Schatten wirft und die alten Bücherstapel haben mich hier wohl zum Kauf veranlasst.

Wer mich kennt, weiß, dass ich meist mit den Hauptfiguren in Büchern oder Filmen nicht klarkomme. Meist sind es die Nebencharaktere, die ich ins Herz schließe. Die 12-jährige Billie jedoch mochte ich von Anfang an. Sie lässt sich von niemandem etwas vormachen, schon gar nicht vom Makler, der ihnen eine Führung duch das Haus gibt. Die Vorbesitzer haben nicht mal ihre Bücher mitgenommen, geschweige denn ihre Möbel. Billies Mutter jedoch ist vom Haus begeistert und schreibt das Misstrauen ihrer Tochter dem beovorstehendem Umzug – weg von ihren Freundinnen – zu.

Warum können Eltern ihren Kindern nie glauben, wenn diese sagen sie haben ANGST und hören seltsame Geräusche?? Oder Sachen stehen plötzlich woanders?? Ich weiß, es würde keinen Plot mehr geben, weil Billies Mutter sie sich unter den Arm klemmen und um ihr Leben rennen würde. Aber ein bisschen Einfühlungsvermögen täte nicht schaden.

An Spannung oder Grusel fehlt es der Geschichte wirklich nicht. Bereits als Billie das Haus zum ersten Mal betritt, spürt sie, dass etwas nicht stimmt und dieses Gefühl verwandelt sich schnell in Unbehagen. Ein Handabdruck im Staub, der vorher noch nicht dagewesen war, Klopfgeräusche am Fenster im zweiten Stock und die Deckenlampe, die so ganz ohne Durchzug leicht hin- und herschwingt. Es war teilweise so creepy, dass ich mich ganz fest in meine Decke wickeln musste. Je mehr Billie und Aladdin über das Haus und seine Geschichte herausfinden, desto gruseliger wird es: Billies Haus war früher mal ein Kinderheim (creepy as hell!).

Daher finde ich die Altersempfehlung von 11+ zu jung. Ja, das Buch gehört ins Genre Thriller, aber sollte trotzdem kindgerecht(er) sein. Die Atmosphäre allgemein spricht ebenfalls für ein zwei, drei Jahre älteres Publikum. Es kommt natürlich immer auf das Kind darauf an, aber einige Vorkommnisse, auf die Billie und Aladdin bei ihrer Recherche stoßen, waren meiner Meinung nach zu hart für 11 Jahre.

Billies Nachforschungen fand ich ein wenig zu konveniert. Gerade als sie in ein Spukhaus einzieht und historische Fakten dazu sammelt, gibt es im Stadtmuseum eine Ausstellung über Kinderheime in ihrem Einzugsgebiet? Dann hat die Dame im Museum, die Billie auf das Haus anspricht, ihre Arbeit über genau das Kinderheim geschrieben? Zufall?

Bis fast zum Schluss konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich nun glauben sollte, dass es in Billies Haus spukt oder ob nicht doch jemand einen bösen Streich spielt. Ohlsson hat die Spannung ausgezeichnet halten können. Es gab genug seltsame Figuren, die mich mit ihren Bemerkungen über das Haus nicht gerade beruhigt haben. Auch wenn ich einige Theorien hatte, musste ich auf das letzte Puzzleteil warten, um endlich Gewissheit zu haben. Das Ende hat mir dann noch mal so richtig Gänsehaut verschafft. Sehr gelungen!

‘Glaskinder’ ist der Auftakt einer Reihe, aber der Band ist in sich abgeschlossen.

Lieblingsfiguren: Billie, Aladdin

Fazit: Spanned und gruselig bis zur letzten Seite! Meiner Meinung nach nicht für 11+ geeignet, aber wer ein tolles Buch zum unter der Bettdecke lesen sucht, der hat es hier wahrscheinlich gefunden. Ohlsson verschleiert die Wahrheit mit kleveren Twists und erst der Schluss bringt Licht ins Dunkel. Grusel pur!

Details zum Buch:

  • Autorin: Kristina Ohlsson
  • Titel der Originalfassung: Glasbarnen
  • Übersetzerin: Susanne Dahmann (aus dem Schwedischen)
  • Altersempfehlung: 11+ 2 = 13
  • Seitenanzahl: 222
  • Verlag: cbt
  • Einband: Taschenbuch
  • Erscheinungsdatum: 09.01.2017
  • ISBN: 978-3-570-31125-7
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2 thoughts on “Glaskinder

  1. Gar nicht so einfach zu beantworten, warum Eltern nicht… Mein Purzelchen kommt gerade in das Monster-Alter. Ich sag dann zwar nicht, dass es keine Monster gibt, für sie sind sie ja real, aber ich erkläre, warum die nicht reinkönnen und was die gar nicht mögen (ein gesungenes Lied). Wir singen dann ein Lied und das beruhigt offensichtlich.
    Ich habe witzigerweise gerade gestern meinen Mann, der Dr. Who schaute, gefragt, was er denn machen würde, wenn ihm plötzlich einer erklärt, er sei ein Zeitreisender und nur er könnte die Welt retten, wenn er dies und das täte. In Filmen oder Büchern ist immer klar, dass man sofort helfen muss. Aber was täte man morgen vor der eigenen Haustür? 😀
    Das Buch klingt jedenfalls toll und ich guck mir das mal im Laden an. Liest du die anderen auch noch?

    Liebe Grüße,
    Mona

    Liked by 1 person

    • Guten Morgen Mona!
      Fein, dass du vorbeischaust. 🙂 Hmmmm, ich verstehe. Es ist nur, dass es dieses Eltern-glauben-Kindern-grundsätzlich-nichts-Trope schon so lange gibt, dass es schon beinahe als normal in Büchern und Serien rüberkommt. Das bestärkt Kinder nicht wirklich, sich ihren Eltern anzuvertrauen, und das nicht nur, wenn es um Monster geht. Ich denke, wenn man als Elternteil einfach auf die Behauptungen der Kinder eingeht und sieht, was passiert, wäre sicher Einiges anders…. Beruhigen und erklären, warum Monster nicht reinkönnen ist gut! Ich spreche vom vornherein sagen, dass es keine Monster gibt und dass das Kind zu alt für Geistergeschichten ist.
      Schwierig. Ich weiß nicht, was ich machen würde. Gerade dieses Szenario, dass ein Zeitreisender mich bitten könnte, ihm zu helfen habe ich witzigerweise vor einigen Jahren in einer Dr. Who fanfiction aufgearbeitet. Ist aber wieder nur eine Geschichte, in der man sofort bereit ist zu helfen. In Tagträumen hilft man seinen Lieblingsfiguren andauernd, aber ich habe keine Ahnung, was ich machen würde, wenn nun wirklich jemand an meiner Tür klingeln würde (wahrscheinlich nicht aufmachen, weil ich noch keine Freunde in dieser Stadt habe und meine Freundin einen Schlüssel hat – also wer sollte klingeln? :D)
      Silberjunge spricht mich vom Inhalt nicht sonderlich an, obwohl diesmal Aladdin in den Vordergrund rückt. Es klingt für mich aber auch nicht so gruselig. Mal sehen… 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Klaudia

      Liked by 1 person

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